top of page

Herbst im Park

Leichter Wind weht die Blätter von den Ästen und legt sie behutsam auf die nun verlassenen Wiesen.
Wo im Sommer noch Körper die Grashalme platt gelegen und Musik entlang der Wege erklang, wird es nun ruhig im Park. Herbst zieht ein und der Mensch zieht Heim.

 

© 2018

 

 

Herbstwinde

 

Wolken wie weiße Schiffsflotten, gleiten sanft und ruhig am blauen Himmelsmeer, getragen von den vier Winden-
ebenso die Blätter in Erdfarben getaucht, wirbeln tanzend zu Boden, um diesen zart küssend zu begrüßen.

 

© 2016

 

 

Herbst

Auf den letzten, wärmenden, Sonnenstrahlen tanzen gelb´braune Farben auf der Sclera ihren schimmernden Glanz, um ins Reich der Sinne zu gelangen.

Herbst am Himmel.

Gräulich meine Haarsträhnen sich verfärbend, fallend ins reifer werdende

Gesicht. Herbst in mir.

Vereint, zwei Herbste, so ruhig, so gut.

 

© 2016

  

 

Ankommen

 

Liebe, die nicht besitzt,

Geborgenheit, die nicht erdrückt,

Lust, die nicht verschlingt,

Sehnsucht, die sich erfüllt,

Erotik, die nicht unterdrückt,

Zärtlichkeit, die nie vergeht.

© 2011

Mutter und Tochter

Der Sommer gefriert,

Kälte kriecht in die Hauswände.

Dein Körper und dein Lachen

können mich nicht mehr wärmen.

Dein Herz schlägt nicht mehr.

Einst schlugen sie zusammen,

meins unter deinem.

Mutter und Tochterherzen.

Eines Tages werde ich dir folgen,

dann soll es Herbst sein

und es soll schneien.

© 2015

 

 

Text Auszug aus *Wahnsinn Liebe* Roman

 

An diesem Abend betrachtete ich die drei Skulpturen, die ich im Kurs hergestellt

hatte und die in meinem Zimmer standen. Ich hatte noch keinen Platz in der WG

dafür gefunden. Die Muschel, die Eule und der nicht ganz fertige Frauentorso.

Lea hatte mir angeboten, dass ich ihn noch bei ihr fertigmachen dürfte. Ich nahm ihn aber erstmal mit nach Hause. Vielleicht sollte der weibliche Oberkörper gar nicht fertig werden. Vielleicht war es genau jetzt Kunst. Eine Frau, noch nicht fertig. War ich das oder Lea? Oder war sie die Eule, die in meine Seele blickte, oder war ich die Eule, die in ihre Seele hinein sah? Die Muschel waren wir beide.

Wie in dem Gedicht ´Perlenmuschel´von J.C. Wieser.

 

 

Die Muschel liegt am Meeresstrand',
Verschlossen noch und ungekannt,
Und ihrer Perle schönes Prangen
Ist von der Schale eng umfangen.

 

Ob sie die Flut, vom Sturm bewegt,
zum kühlen Schoß des Meeres trägt?
Ob sie die Hand des Fischers findet,
Eh' noch des Tages Licht entschwindet?

Versinkt sie in der Tiefe Grund,
So schließt auf immer sich ihr Mund,
Und all' dem zarten Perlenleben
Kann nicht's des Daseins Lust mehr geben.

Erlangt der Fischer ihren Wert,
Wird auch das Glück von ihm geehrt,
Und liegt die Perle nicht in Händen,
Die Licht und Glanz zum Dunkel wenden?

Das Herzist wohl der Muschel gleich,
Am Hoffen und an Wünschen reich

und mild in süß geborg'ner Hülle
Umschließend des Gemüthes Fülle.

Wer dich als Lebensgut erhält,
O Herz, mit deiner heil'gen Welt,
Verdient er in so reinem Strahle
Die Perle auch der Ideale?

 

 

 

Ich lag auf meinem Bett und dachte an Lea. Sehnsucht überfiel mich.

Auf die Skulpturen blickend, wurden meine Augen langsam schwer und ich schlief bald darauf ein. Am nächsten morgen wachte ich mit dicken Augen auf. Ich hatte wohl geweint in der Nacht.

© 2013

 

 

 

Text Auszug aus *Frankfurt Nights* Roman

Heute habe ich noch zwei Freunde aus dieser Zeit. Achim und Susan. Ein schwuler Dekorateur und eine bisexuelle Deutsch-Französin, die in einer Buchhandlung arbeitet. Susan und ich telefonieren fast jeden Tag. Sie ist immer neugierig auf das, was ich wieder so erlebt habe und natürlich auch wegen der Kontrolle. Sie hat immer Angst um mich. Obwohl es keine Männer sind, die ich befriedige. Sie meint, auch Frauen können gewalttätig sein. Deshalb muss sie mich fast jeden Tag hören. Auch ihr Leben ist nicht gerade das, was man langweilig nennt. Wir haben uns immer etwas zu erzählen und sind immer füreinander da. Sie ist die erste Frau, die ich wirklich liebe. Auf eine wunderbare freundschaftliche Art. Achim liebe ich auch. Er hat mir bei meiner Inneneinrichtung geholfen und seine Männergeschichten erzählt er immer mit einer Spur Ironie. Schwule und Liebe.“ Eine gelebte Oper“, wie er immer sagt. Ein Happy End gibt es selten. Ich glaube, die beiden sind meine Freunde, da sie auch Spaß an Sex haben. Außerdem sind beide sehr tiefgründig und wie ich sehr nah am Wasser gebaut. Drei Romantiker in einer Zeit der menschlichen Kälte. Ich bin sehr glücklich die beiden zu kennen und wir kennen uns wirklich.

Die Bahn stoppte. Konstablerwache. Fast zu Hause. Ich fuhr die Rolltreppe hinauf. Es hatte angefangen zu schneien. Das ist in Frankfurt selten. Ich knöpfte meine Jacke zu und stellte den Kragen hoch. „In ein paar Minuten bin ich im Warmen“, dachte ich. Schnellen Schrittes eilte ich durch die Frankfurter Nacht. Jetzt wurde es immer ungemütlicher. Ich überquerte noch eine Straße, dann war ich da. Ich öffnete das Tor, ging durch den Hof und steckte meinen Haustürschlüssel ins Türschloss.

Ich wohne im zweiten Stock. Ich ging die Stufen hoch. Vor  meiner Wohnungstür zog ich noch schnell die Schuhe aus und schlüpfte dann in meine kleine Oase hinein.

Ich stellte die Schuhe in den kleinen Schuhschrank im Flur und zog die Jacke aus. Dann ging ich in die Küche und füllte den Wasserkocher mit dem kalkhaltigen Frankfurter Wasser und stellte ihn an. “Jetzt erst einmal einen Tee“, dachte ich. Ich schaltete   das Radio an. Der Sender spielte gerade John Lennon.  Ich schaute aus dem Fenster. Es schneite immer stärker. Jetzt im Warmen konnte ich die Schneeflocken, die aus dem fast schwarzen Himmel fielen, genießen.

In Frankfurt gibt es keinen schwarzen Himmel. Zu viele Lichter lassen die Stadt nie richtig dunkel sein.

Der Wasserkocher tat sein bestes und das Wasser war im Nu heiß. Der Tee tat gut und mir war bald auch von innen warm. Ich saß noch eine gute halbe Stunde in der Küche und sah den Flocken zu. Wasser kann so leicht sein. Auch ich schlief später leicht ein.

 

Es war 7.33 Uhr, als ich aufwachte. Ob es noch schneit, war mein erster Gedanke. Ich setzte mich aufrecht im Bett hin und wuschelte mir durch das Haar. Es war kurz geschnitten, wirkte aber doch noch weiblich. Nicht so kantig kurz, wie bei vielen anderen Lesben.

Ich stieg aus dem Bett und ging zum Fenster. Ich zog die Jalousie hoch. Es schneite noch und der Boden im Hof war herrlich gepudert.

Irgendwie war mir jetzt nach Schlitten fahren. Susan und Achim mussten heute aber beide arbeiten. Schade. Ich werde Susan fragen, ob sie morgen Zeit hat. Im Taunus liegt bestimmt noch mehr Schnee. Achim frage ich morgen. Der ist samstags immer on Tour nach der Arbeit.

Ich ging in die Küche und machte mir einen Kaffee. Ich schaltete das Radio ein. ´Take on me´ von A-ha lief gerade. An solchen Songs erkenne ich immer wieder, wie schnell die Lebenszeit vergeht. Ich bin jetzt 34 Jahre alt. Na, ja, noch 3 Monate. Seit zwei Jahren feiere ich nur noch mit Susan und Achim meinen Geburtstag. Mir fehlt auch niemand. Diese Zwei sind mehr wert, als die vielen Bekannten die ich kenne. Selbst die paar Verwandten die ich habe, sehe ich nie. Meine Eltern sind beide tot. Seit ich eine  Call-Woman bin, weiß ich, was wahre Freunde sind. Dafür bin ich sehr dankbar.

© 2008

 

 

 

Text Auszug aus D* Orsay  Kurzgeschichte

Am Fahrkartenschalter besorgte ich mir erst mal ein Carnet. Dann ging ich in Richtung Metro. Ich musste ins sechzehnte Arrondissement.

Die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde. Mit der Linie 9 fuhr ich zur Haltestelle Rue de la Pompe.

Auf dem Weg dorthin muss man einmal die Linie wechseln. Ich dachte an das fettige französische Hörnchen und an den Milchkaffee. Dadurch bekamen meine Drüsen im Mund den Befehl, Wasser abzusondern. Was man mit Gedanken alles anrichten kann.

Kurz nach sieben, verließ ich die Metrostation. Das Café war nicht weit entfernt. Die Sonne schien. Es war Ende März.

Im Café standen ein paar Männer am Tresen und tranken ihren Espresso. Sie waren bestimmt auf dem Weg zur Arbeit.

Ich suchte mir einen Platz am Fenster. Fast alle Tische waren noch frei. Der Ober lies nicht lange auf sich warten. Ich bestellte einen Café Creme und einen Croissant. Er lächelte freundlich und nickte. Ich glaube, er hatte mich wieder erkannt. Nicht übel, für so eine große Stadt. Seit vier Jahren komme ich in dieses Café. Ich war nun kein Tourist mehr. Das wollte er mir wohl mit diesem Lächeln sagen.

Der Café und das Butterhörnchen waren köstlich. Ich lehnte mich zurück und genoss.

Draußen vor der Scheibe, gingen nun immer mehr Menschen vorbei. Ich aß und beobachte. Meine Gedanken waren leicht. Mein Körper hatte eine angenehme Schwere.

´Was Juliette wohl in diesem Augenblick macht?´, dachte ich. ´Wenn sie in Paris ist, was ich mir von ganzem Herzen wünsche, wird sie bestimmt noch schlafen´, dachte ich weiter.

Ich werde mich später auch noch ein paar Stunden hinlegen. Um acht kann ich in das Appartement hinein. Die Concierge gibt mir dann die Schlüssel. Ich zahle für die Woche 300 Euro. Die Concierge bekommt auch noch mal 30 Euro.

Ich fühle mich in einem Appartement wohler. Hotels sind so unpersönlich. Außerdem kann ich  mich selbst verpflegen. In Paris gibt es wunderschöne Märkte, um Lebensmittel einzukaufen.

Ich blieb noch eine Weile sitzen und beobachtete das Treiben auf der Straße.

Das Appartement war nur zehn Minuten zu Fuß entfernt. In der Rue Nicolo. Ich bezahlte meine kleine Rechnung und verabschiedete mich.

Auf der Straße atmete ich tief ein. Ein wirklich anderer Duft, diese Pariser Luft.

Ich machte mich auf den Weg.

Ich war voller Hoffnung, dass ich Juliette diesmal finden werde.

 

Madame Blanc begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln. 

„Guten Tag Frau Amberg. Mal wieder in Paris?“

„Guten Tag Madame Blanc. Ja, ich konnte es kaum erwarten, wieder hier zu sein. Hier sind die 30 Euro.“

Ich reichte ihr das Geld. Ich bekam die Schlüssel. Wir wünschten uns gegenseitig einen schönen Tag.

  

Das Appartement empfing mich mit Dunkelheit. Die Jalousien waren unten. Ich zog sie hoch und öffnete die Fenster. Ich befand mich im ersten Stock. Dann räumte ich meine Tasche aus. Eine Kleinigkeit zum Essen hatte ich mitgenommen. Dann musste ich erst morgen einkaufen gehen. Meine Kleidung verschwand im Schrank. Dann bezog ich noch das Bett und ging anschließend duschen. Um neun legte ich mich hin. Die Fahrt mit dem Nachtzug ist anstrengend, wenn man kein Liegeabteil hat.

Ich stellte den kleinen Reisewecker auf  13.00 Uhr. Bei Angelika soll ich mich auch noch melden. Das mache ich nachher. Mein Handy schaltete ich aus.

Der Schlaf lies nicht lange auf sich warten. Von wem ich wohl träumen werde? Ich konnte es mir fast denken.

Nachdem der kleine Wecker seine Arbeit erfolgreich getan hatte und ich wieder wach war, ging ich in die Küche. Ich hatte Hunger und aß die zwei Brote, die ich mir noch in Frankfurt belegt hatte. Dann bereitete ich mir einen starken Milchkaffee zu. Den Espresso und einen Liter Milch hatte ich auch in der Reisetasche mit nach Paris gebracht. Außerdem noch ein wenig Obst, eine Flasche Wasser und Nudel mit Tomatensoße für heute Abend.

Heute schien es, dass die Sonne es gut mit mir meinte. Sie strahlte in ihrem schönsten Licht. Von der Küche aus hatte man einen schönen Blick auf die Nachbarhäuser. Ihre Altbaufassaden glänzten durch das Licht der Märzsonne. 

Ich trank den Rest Milchkaffee. Dann ging ich ins Bad und putzte mir die Zähne. Zwanzig Minuten später machte ich mich auf den Weg ins Musee d`Orsay. Juliette liebt dieses Museum. Ich werde diese Woche jeden Tag dort sein. Außer montags. Da hat es geschlossen.

Immer am Nachmittag werde ich es besuchen. Vormittags und mittags ist es dort zu voll. Zu viele Schulklassen und Kunststudenten sind dann vor Ort.

Die kalte Märzluft streifte meine Nase, als ich auf die Straße trat. Da es ein wundervoller Tag war und ich auch noch Zeit hatte, ging ich zu Fuß in Richtung Eiffelturm. Das Museum schließt um achtzehn Uhr. Jetzt war es kurz nach zwei.

Ich ging die Rue Nicolo entlang, bis ich auf die Avenue Paul Doumer gelangte. Dann lief ich in Richtung Trocadero. Von dort aus gelangte man direkt zum Eiffelturm. Der Wind war kühl, aber die Sonne wärmte mein Gesicht. Da ich in Bewegung war, fror ich auch nicht. Ich genoss den Spaziergang. Auf der Pont D´iena blieb ich stehen und schaute der Seine zu, wie sie unter mir hindurchfloss.

Ein Ausflugsschiff fuhr unter der Brücke hindurch. Ich sah dem Schiff hinterher. Ein paar Minuten verharrte ich noch auf der Brücke.

Jetzt musste ich immer an der Seine entlang gehen. Mir war vom Gehen so warm geworden, dass ich meinen Schal vom Hals entfernte.

Ich steckte ihn in meine Umhängtasche. Kurz vor halb vier stand ich vor dem Museum. Eine kleine Anzahl von Besuchern wartete davor.

´In gut zehn Minuten werde ich den Eingang passieren´, dachte ich.

Es wurden fünfzehn Minuten daraus. An der Kasse kaufte ich mir eine Carte Musees. Dann konnte ich die restlichen Tage ohne langes Anstehen in das Museum gelangen.

Das Museum war früher ein Bahnhof. Deshalb wirkt es auch anders, als andere Museen. Es ist 200 Meter lang und 35 Meter hoch.

Eine Mailänder Architektin mit Namen Gae Aulenti hatte aus dem Bahnhof eines der schönsten Museen der Welt gemacht.

Juliette hatte Geschmack. Auch für mich war das d`Orsay mittlerweile zum Lieblingsmuseum geworden.

© 2008

bottom of page